
Erfolgreiches Projekt geht zu Ende; alle fünf Lernzentren müssen schließen
Mit viel Wehmut wird in der kommenden Woche das Lernzentrum Bingen seine Türen schließen müssen. Und nicht nur der Standort Bingen ist betroffen, sondern auch für die Projektpartner in Bad Kreuznach, Kaiserslautern, Montabaur und Neustadt a.d.W. ist das aktuelle Projektende erreicht.
Der Start für die erfolgreiche Arbeit der Lernzentren wurde 2008 durch das Pfarramt für Ausländerarbeit in Bad Kreuznach gemacht. Dort wurde eine niederschwellige Anlaufstelle für Menschen geschaffen, die Deutsch lernen und ihre Grundbildung erweitern wollten. 2012 stieg die Volkshochschule und Musikschule Bingen in das Projekt ein und das Lernzentrum Bingen fand seinen ersten Sitz in der Kaufhausgasse in Bingen, im ehemaligen Hertiegebäude. 2015 bis 2019 wurde nach dem Vorbild von Bad Kreuznach und Bingen an der Volkshochschule Wiesbaden ebenfalls ein Lernzentrum aufgebaut, das anschließend vom Integrationsamt in die Regelförderung übernommen wurde. Die Kofinanzierung aller Lernzentren ging auf den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU über. Seit der Projektlaufzeit 2020-2022 ist die Volkshochschule Kaiserslautern Projektpartner, 2023 kamen die Standorte Montabaur und Neustadt a.d.W. hinzu.
Übergreifendes Projektziel in all den Jahren war die nachhaltige Förderung des Deutschspracherwerbs vor, während und nach dem Besuch von Deutschkursen, verbunden mit individueller Lernbegleitung im Sprachlernprozess, um bei Lernschwierigkeiten zu unterstützen und Kursabbrüche zu vermindern. Die Förderung der Lernerautonomie und der Eigenverantwortung der Lernenden stand dabei stets im Vordergrund, ganz nach dem Motto „Jeder lernt für sich, aber nie alleine!“
Gefördert wurden in dem als sehr erfolgreich zu bewertenden Projekt über die Standorte hinweg rund 4.000 Personen, die teils bis zu 50 einzelne Lernbesuche hatten. „Sehr schade ist es für all unsere Lernenden aus Drittstaaten, die nun zunächst keine Anlaufstelle mehr haben, um weiterhin individuell und ohne große Hemmschwelle ihre Deutschkenntnisse ausbauen zu können“, so fasst Beata Kobylarz-Winn; Geschäftsführerin der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Rheinland-Pfalz (ELAG) e.V. und Projektträger des Lernzentrums in Bad Kreuznach die Situation zusammen. Thomas Feser, Vorsitzender der Volkshochschule Bingen, hofft, dass bald eine erneute Antragsstellung möglich ist und das sinnvolle Projekt, das den Spracherwerb auch als Basis für den Eintritt in den regionalen Arbeitsmarkt fördert, fortgesetzt werden kann. „Integration erfolgt über Sprache und Angebote, die den Drittstaatenangehörige hier professionelle und qualitativ hochwertige Unterstützung geben, sind wichtig. Daher werden wir, sobald eine Antragstellung möglich ist, versuchen, eine erneute Förderung zu erhalten.“
Zurzeit ist es in der aktuellen Förderperiode des AMIF europaweit nicht möglich, neue Projektanträge zu stellen, da sich der Förderaufruf in Überarbeitung befindet. Natürlich wartet die Volkshochschule Bingen als beantragende und verwaltungsführende Stelle im Projekt „Lernzentren in Rheinland-Pfalz“ auf die Veröffentlichung der neuen Förderbedingungen „und wir werden dann mit Hochdruck daran arbeiten möglichst zeitnah einen Antrag einzureichen“, so Petra Fleischmann, Projektleiterin der Volkshochschule Bingen.



