
Auf Großwildjagd mit Gaea Schoeters und der vhs Bingen
Bereits zum 9. Mal heißt es „Bingen liest ein Buch“. In diesem Jahr steht der Roman „Trophäe“ von Gaea Schoeters im Mittelpunkt der vhs-Reihe. Den Auftakt machte in diesem Jahr das Gespräch von Gaea Schoeters und der Übersetzerin des Romans Lisa Mensing in der Binger Bühne.
Von den rund 90 Gästen hatte der Großteil des Publikums bereits das Buch gelesen und war neugierig auf die Hintergründe und den Entstehungsprozess des Werks. Gaea Schoeters gab einen guten Einblick in die Entstehung des Romans von der Idee bis zum fertigen Buch, den Schreibprozess und die thematischen Hintergründe. Die Belgierin beeindruckte dabei mit nahezu perfekten deutschen Sprachkenntnissen, obwohl sie Deutsch erst anlässlich der Zusage zur deutschen Übersetzung gelernt hatte. Lisa Mensing hat den Roman aus dem Niederländischen übersetzt und gab einen guten Einblick in die oftmals verborgene aber immens wichtige Arbeitsweise einer Übersetzerin und zur Zusammenarbeit mit der Autorin.
Im gemeinsamen Gespräch wurden viele Fragen zur eurozentrischen Sicht auf Afrika, Kolonialismus-Literatur in der Tradition von Hemingway und zur Frage, ob man aus Sicht einer weißen Frau über indigene Völker schreiben kann. Zu den verschiedenen Sichtweisen auf das Thema Großwildjagd erklärte Gaea Schoeters schmunzelnd: „Ich verstehe gar nicht, warum immer alle fragen, ob ich auch schon ein Tier geschossen habe. Ich muss doch nicht alles selbst gemacht haben, um es auch gut beschreiben zu können. Was macht denn sonst der Krimiautor? Ich hoffe doch sehr, dass er nicht alles ausprobiert hat, was er in seinem Buch beschreibt. Das wäre ja fürchterlich.“

Mensing und Schoeters warfen sich auf der Bühne gekonnt verschiedene Fragen zu und schafften es in wunderbarer Weise auch für diejenigen, die den Roman noch nicht gelesen haben, den Spannungsbogen zu halten und nicht zu viel zu verraten. Die Lesestellen wurden geschickt ausgewählt, so dass einige Dinge nur angedeutet wurden und das Buch für all diejenigen noch spannend blieb, die es noch nicht gelesen haben.
Das Publikum brachte am Ende noch viele Fragen ein, die es beschäftigt hat. Man sah auch da, dass das Buch definitiv polarisiert, da es Themen und Fragestellungen berührt, mit denen man sich vorher oft noch nicht beschäftigt hat. Die Gäste waren vom Roman begeistert, empfanden ihn als spannende Lektüre und brachten dies durch langanhaltenden Applaus zum Ausdruck.

Zum Abschluss des Abends gab Nina Göttelmann, Leiterin des Programmbereichs Kultur, noch einen Ausblick auf die kommenden Veranstaltungen innerhalb der Reihe „Bingen liest ein Buch“. Nach dem Themenabend am 27.3., in dem es um die realen Fakten hinsichtlich des afrikanischen Naturschutz geht, kann man am 31.3. den Film „Safari“ von Ulrich Seidl im KiKuBi sehen. Das Binger Literarische Quartett bespricht am 3. April den Roman mit dem Publikum in seiner Tiefe. Am 19.5. bekommen dann noch alle Interessierten mit dem Themenabend zum Thema Jagd einen Input aus der Region durch die Aspisheimer Jägerin und Winzerin Shanna Reis.




